Ein indisches Farbenspiel

Gelb, rot, blau, gebluemt, mit Strass, mit Perlen oder traditionell bestickt, egal ob als Sari oder Panjabi, in Indien ist Farbe angesagt. Besonders auffaellig ist das natuerlich in einer Millionenstadt wie Vishakhapatnam. Da die Unruhen in Orissa weiter anhalten, wurden meine Mitfreiwillige und ich kurzerhand in die Hauptstadt des Bundesstaates Andhra Pradesh versetzt. Die am schnellsten wachsende Stadt Indien. Nach 2 Monaten im abgeschiedenen, eher laendlichen Orissa bietet und Vizag, wie es die Einheimischen nennen, das absolute Kontrastprogramm. Mehrstoeckige Wohnhaeuser draengen sich dicht an dicht und dort, wo noch Platz ist, findet man immer wieder kleine Ansammlungen blaettergedeckter Huetten, deren Waende manchmal nur aus ein paar Plastikplanen bestehen.
Dazwischen tummeln sich die typischen gelb-schwarzen Motor-rickshaws und auf den Strassen befindet sich alles, was sich in irgendeiner Form fortbewegen kann. Bei 36 C im Schatten ist es aber wahrlich kein Vergnuegen, auf der Strasse herumzuspazieren und so bin ich jedes Mal froh, wenn ich wieder in unseren klimatisierten Jeep klettern kann und unser Fahrer uns sicher durch dieses rollende Chaos manoevriert. Und ausserdem kann ich aus dem Auto auch viel besser die Leute beobachten. Im Geiste habe ich schon mindestens 10 Saris gekauft, einer exotisches als der andere, aber in Wirklichkeit habe ich mich bis jetzt auf zwei huebsche Schals beschraenkt. Nun, was nicht ist,…nicht wahr?
Aber so faszinierend es auch ist, bei gleissendem Sonnenschein die Kuestenstrasse entlang zu fahren, links auf eine Reihe Palmen und das glitzernde Blau des Golfs von Bengalen zu schauen und rechts abwechselnd kleine Fischerhuetten und vornehme Wohngegenden zu sehen; am stimmungsvollsten ist diese Stadt bei Nacht. Dann zeigt sie zwar nicht ihr wahres Gesicht, ich vermute, das ist eh unter einer Schicht Muell und einigen Smog-Wolken verborgen, aber bei Dunkelheit an den vielen kleinen Laeden vorbei zu schlendern, ist einfach schoen. Da die Sonne hier naemlich schon um 18.15 Uhr Ortszeit untergeht, sind die Abende lang und wir haben genug Zeit, die letzten Einkaeufe zu erldeigen oder ein wenig am Strand zu sitzen. Es ist schon ein seltsames Gefuehl, zu wissen, dass hinter dem Horizont Laender wie Thailand oder Australien liegen.

(erschienen in Ultimo November 2008)

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