Erinnerungen an den 11. September 2011 – Ein Blick auf den Nationalfriedhof in Arlington

Zehn Jahre, eine Woche und einen Tag nach dem 11. September 2001

Wisst Ihr noch, was ihr gemacht habt oder wo ihr wart, als Ihr erfuhrt, dass ein Flugzeug ins World Trade Center gesteuert wurde? Unabhängig von Zeitzone und Kulturkreis hat jeder von uns seine ganz eigene Geschichte zu den Bildern, die sich bald ins kollektive Gedächtnis ganzer Generationen einbrennen sollten. Manche haben es in der Schule erfahren, andere beim Mittagessen, und für wieder andere war es noch mitten in der Nacht, als es passierte und sie haben es in den Morgennachrichten gehört.
Mit dieser Erinnerung vor Augen ist es schwer vorstellbar, dass es tatsächlich schon zehn Jahre her ist, seit Amerika von diesen Terroranschlägen getroffen wurde. Natürlich stellt sich die Frage, was sich geändert hat, seit dem ersten Angriff auf amerikanischem Boden nach Pearl Harbor, seit, die Zwillingstürme in einer riesigen Rauchwolke verschwanden, und seit Amerika in Irak einmaschiert ist. Viel hat sich geändert. Amerika hat den ersten schwarzen Präsidenten gewählt, die Weltwirtschaft wurde von einer schweren Rezession getroffen, die die Märkte weltweit ins Bodenlose fallen ließ, und Brasilien, Italien und Spanien wurden nacheinander Fußballweltmeister.
Andererseits hat sich gar nichts verändert, wenn man bedenkt, dass Amerikanische Truppen immer noch im Irak sind (und nicht nur dort), dass Terrorismus mehr denn je als Bedrohung empfunden wird, und dass im Krieg gefallene Soldaten immer noch auf dem Nationalfriedhof in Arlington, Virginia beigesetzt werden.

Die schlichten weißen Grabsteine, die sich scheinbar endlos aneinander reihen, bilden den roten Faden einer Erzählung voller Siege und Niederlagen. Gegründet in 1862, die ersten Gräber waren für die Toten des Bürgerkrieges und seitdem haben ca. 260.000 Beisetzungen stattgefunden.

Zusätzlich zu Grabstätten wie der von John F. Kennedy, befinden sich auch mehrere Denk-und Mahnmäler auf dem Friedhof, wie z. B. das Third Infantry Division Monunment, dass der über 10.000 Soldaten der 3. US-Infanteriedivision gedenkt, die während beider Weltkriege und während des Koreakrieges im Kampf fielen oder seitdem vermisst sind. Die Männer und Frauen, die bisher im Irakkrieg gefallen sind, bilden die jüngste Erweiterung der langen Reihen von Grabsteinen und in gewisser Weise treibt ihr Tod auch die Opferzahlen vom 11. September weiter in die Höhe.

Zehn Jahre nach den Anschlägen findet auf dem Nationalfriedhof, wie auch an zahlreichen anderen Orten, wie dem Pentagon und natürlich Ground Zero in New York, eine Gedenkfeier statt. Der Friedhof ist bevölkert mit Touristengruppen, deren durchaus aufrichtiges Mitgefühl doch recht oft von der Sorge überschattet wird, sie könnten ihre Reiseführerin verlieren oder keinen Platz mehr in der kleinen Bimmelbahn bekommen, die Besucher über den Friedhof fährt.

Heute, zehn Jahre, eine Woche und einen Tag nach den Anschlägen, gesellen sich die Erinnerungen and die Gedenkfeiern zu den Erinnerungen an die Anschläge selbst und die jeweiligen Orte an denen wir uns aufhielten, als wir die Nachricht erfuhren. Die Medien haben sich wieder dem aktuellen Tagesgeschehen zugewand, Obama’s neuer Plan mehr Arbeitsplätze zu schaffen, wird ebenso debatiert, wie der Wahlkampf der republikanischen Präsidentschaftskandidaten und die Auswirkungen der Euro-Krise. Und das ist wohl die wichtigste Aufgabe des Nationalfriedhofs: den Menschen einen Ort zu geben, wo die Erinnerung an diejenigen in deren Namen der Krieg geführt wurde, und an die, die in ihm gefallen sind, bewahrt wird, und es so den Menschen möglich macht, in ihren Alltag zurückzukehren, ohne zu vergessen. Damit wir wieder den Nachrichten folgen können, ohne dass sich Ort und Zeit so unauslöschlich in unser Gedächtnis einprägen, wie es vor zehn Jahre, einer Woche und einem Tag der Fall war.

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