Themen und Ergebnisse des IWF/Weltbank Jahrestreffen und Forums für Zivilgesellschaft

Robert Zoellick, Präsident der Weltbank

Vom 23. – 25. September fand in Washington das Jahrestreffen der Weltbank und Internationalem Währungsfond statt. Hauptzweck des Treffens ist die Zusammenkunft der Aufsichträte beider Institutionen. Die Vollversammlung an sich dauert eigentlich nur einen Tag, aber natürlich finden im Vorfeld allerlei weitere Treffen zwischen Finanzministern, Bankiers, Länderabgeordneten und Vertretern internationaler Organisationen statt. Unter anderem so  auch das Forum für Zivilgesellschaft. Was das heißt? Nun, in diesem Fall wurde die “Zivilgesellschaft” von Vertretern Vereinen, kirchlichen Einrichtungen und Nicht-Regierungsorganisationen vertreten,die alle das Ziel verfolgen, diese Welt ein bisschen besser zu machen. 

So ziemlich jedes Land war vertreten, sei es in Form des “Instituts für landwirtschaftlichen Wiederaufbau” (Äthiopien), der Friedrich Ebert- , Hans Seidel-, und Heinrich Böll-Stiftungen (Deutschland), der arabischen Stiftung für nachhaltige Entwicklung (Jordanien) oder Oxfam UK (Groß Britannien). Außerdem waren die meisten großen internationalen Organisationen, wie die UNO, OECD und natürlich IWF und Weltbank mit Sprechern mindestens einer, wenn nicht sogar mehrerer Abteilungen anwesend.

In mehreren Sitzungen mit immer wieder wechselnder Zusammensetzung, diskutierten die Teilnehmer die großen Fragen moderner Entwicklungspolitik: Wie lässt sich die Abhängigkeit der Entwicklungsländer von internationalen Geldgebern verringern? Woher wissen wir, ob wir mit unserem Eingreifen nicht mehr Schaden als Nutzen anrichten? Und wie lässt sich nachverfolgen, was genau mit dem Geld passiert, welches hier in Europa oder Amerika als “Entwicklungshilfe” aufgelistet wird? Transparenz und offenere Entwicklungsarbeit war also eines der großen Themen des Forums. Und während die einen Berichte und Studien vorlegten, wie es um die Transparenz in den verschiedenen Ländern bestellt ist, diskutierten andere, wie der gesamte Entwicklungssektor noch durchsichtiger gestaltet werden könnte.

Paul Collier stellt sein neues Buch "Plundered Nations" vor

Andere große Themen waren Klimaschutz, wirtschaftliche Entwicklung und, ganz pragmatisch, verbesserte Kooperation zwischen der Weltbank Gruppe und den lokalen Nicht-Regierungsorganisationen.

Besonders interessant war zum Thema wirtschaftliche Entwicklung, die Buchvorstellung von Paul Collier. Collier ist Wirtschaftsprofessor an der Universität Oxford und war Direktor der Abteilung für Entwicklungsforschung bei der Weltbank. Sein neuestes Buch “Plundered Nations” präsentiert die Werte, Prinzipien und Fähigkeiten, die nötig sind, damit der Schatz an natürlichen Ressourcen, den viele Länder Afrikas besitzen, nachhaltig für eine Verbesserung der dortigen Lebensumstände beitragen kann. Laut Collier ist dies oft deshalb so schwierig, da “für entwicklungspolitische Erfolge, die komplette Entscheidungskette richtig gewesen sein musste”. Entscheidungsabfolgen sind jedoch nicht linear, sondern gleichen in ihrer Verkettung  eher den Olympischen Ringen so dass schon eine einzige Fehlentscheidung in diesem komplexen Gebilde aus Regierungen, Unternehmen, Gesetzen und Veträgen zum Versagen des ganzen Projekts führen kann.

El Beblawi, Ägyptens stellv. Premierminister für Wirtschaftsangelegenheiten und Finanzminister

Ebenfalls über wirtschaftliche Entwicklung sprachen Jelloul Ayad, Finanzminister Tunesiens, und Hazem El Beblawi, Finanzminister von Egypten. Angesichts des sozialen Umbruchs, der sowohl in Tunesien, als auch in Ägypten stattgefunden hat, bzw. immer noch stattfindet, stellt sich natürlich auch die Frage nach wirtschaftlicher Reform. Ayads Äußerungen darüber, dass vor der sozialen Verantwortung der Unternehmen (CSR), die soziale Verantwortung der Regierung (GSR) stehen muss,  rufen beim Publikum zustimmendes Gemurmel hervor, doch der ägyptische Minister muss sich mit einer Reihe unbequemer Fragen nach dem Rüstungsbudget seiner Regierung auseinander setzen.  zum webcast

Neben großen Reden und Star-Auftritten wurde in der letzten Woche jedoch auch viel Politik gemacht. Gerade in den Räumen des Forums für Zivilgesellschaft genetzwerkt, was die Visitenkarten hergaben. Neue Projekte und Partnerschaften sind entstanden und die Forschungsergebnisse und Studien einzelner Organisationen wurden der allgemeinen “Entwicklungs-Szene” zugänglich gemacht und gemeinsam diskutiert. Und diese Art von Politik findet eben nicht im Rampenlicht auf einem Podium statt, sondern auf dem Gang, im Aufzug, oder auch schon mal auf der Toilette.

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