U wie: unmotorisierter Backpacker

In einer Typologie zeitgenössischer Reisenden verdient der unmotorisierte europäische Backpacker besondere Beachtung. Es handelt sich hierbei um eine Unterart des globalen Backpackers und gehört somit zur Gattung des gemeinen Reisenden. Besonders verbreitet ist diese Form in den  touristischen Ballungszentren Europas. Das Hauptmerkmal des unmotorisierten Backpackers ist die Abwesenheit eines Autos, Motorrads oder ähnlichem privaten Transportmittel weshalb er sich besonders gern an Orten aufhält, die gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind.  Seine natürliche Umgebung besteht aus Hostels, Jugendherbergen und Bahnhöfen und die meisten Exemplare sind an ihren weithin sichtbaren überdimensionalen Wanderrucksäcken zu erkennen.

Günstige Langstrecken-Verbindungen, wie sie die meisten europäischen Bahnnetzwerke anbieten, aber aus Nachtbusse und zunehmend Billigflieger, üben eine magnetische Wirkung aus, die der unmotorisierte Backpacker nur schwer widerstehen kann. Zumeist reist der Backpacker in kleinen Rudeln von 2-5 Exemplaren, wird gelegentlich jedoch auch einzeln gesichtet. Hauptursprungsort des unmotorisierten Backpacker sind die urbanen Gegenden Europas, was jedoch nicht heißt, dass der Bewegungsradius dieser unternehmungslustigen Gefährten auf den Kontinent beschränkt ist.  Backpacker sind anpassungsfähig und neugierig, und beständig auf der Suche nach neuen Revieren. Besonders Länder, in denen auch weitab der Metropolen noch die Ausläufer eines öffentlichen Verkehrsnetzes zu finden sind, werden gerne von Backpackern  angesteuert. Die Art des Transportmittels ist dabei zweitranging und nur insofern von Bedeutung, als dass Erfahrungen mit exotischen Varianten wie Kamelen, Einbaum-Kanus oder Heißluftballons wichtige Statuspunkte in der Balzzeit liefern.

In den meisten Zielländern kann sich der unmotorisierte europäische Beckpacker relativ problemlos fortbewegen, doch in gewissen Gegenden auf dem nordamerikanischen Kontinent wird diese spezielle Rasse leider oft mit Unverständnis oder gar Herablassung betrachtet. Während die Hauptreiseattraktionen dieser Region noch relativ gut mit Überlandbussen oder speziell bereit gestellten Shuttles erreicht werden können, sieht sich der unmotorisierte europäische Backpacker abseits der dichtbesiedelten Metropolen häufig gezwungen, seine Reiseroute aufgrund mangelnder Transportmöglichkeiten zu ändern oder aber immense Umwege und Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen. Die Mehrheit der unmotorisierten europäischen Backpacker wählt normalerweise Wandern als die bevorzugte Alternative zu öffentlichen Verkehrsmitteln, doch der konstante Mangel an Fußwegen, Fußgängerampeln oder ähnlichen Schutzmechanismen nahe vielbefahrener Straßen und  Highways, bildet ein Risiko, welches selbst der abenteuerlustige Backpacker nicht eingehen mag.  Und so ist Kreativität und Witz gefragt, wenn es darum geht, in einer fremden Stadt die Nummer eines Taxi-Unternehmens herauszufinden, oder aber eine gehörige Portion Geduld, wenn man für ein paar Kilometer drei verschiedene Verkehrsmittel benutzen muss und stundenlang zwischen Bahnhöfen und Bushaltestellen wechselt.

Neben dem unmotorisierten europäischen Backpacker wird die touristische Nische der Hotels und Hostels von einer Reihe anderer interessanter Reisender bewohnt, wie zum Beispiel dem überhilfsbereiten Weltenbummler.

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