Edel sei der Mensch, hilfreich und gut*

Wir halten uns für so aufgeklärt, glauben wir stünden über dem unfairen, im Zorn gesagten Wort mit dem wir auf die Schwäche unseres Gegenübers abzielen. Einer Schwäche, die nicht nur irrelevant ist für das eigentliche Argument, sondern von der wir auch nur deshalb wissen, weil uns das Vertrauen geschenkt wurde, sie zu respektieren.
Das Wissen um die Schwäche unserer Mitmenschen beinhaltet die Verantwortung, sie nicht auszunutzen, schon gar nicht, um das eigene Ego zu befriedigen. Und doch tun wir genau das immer wieder. Im Streit sind wir nicht besser, als jene, über denen wir zu stehen glauben, wenn wir uns zum Moralapostel erheben und die beständige Kleinhaltung des eigenen Egos predigen. Sind da nicht eigentlich diejenigen aufrichtiger, die sich dieser Scheinheiligkeit nicht bewusst sind und beinahe instinktiv, aus dem eigenen Schmerz heraus, die Schwäche des Gegenübers ausnutzen?
Nicht zu wissen, was man tut, mag unter Umständen das Getane entschuldigen. Doch zu wissen, dass die eigene Handlung gerade jenes Ideal verletzt, das man sich einzuhalten einbildete, sich aber trotzdem nicht davon abhalten zu können, das ist doppelt ernüchternd.

*JWvG “Das Göttliche”

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