More Thoughts on Voluntary Work

A while ago, I wrote about the particularities of working for and with a volunteer-organization. This post however, is about a different kind of volunteering.

If we are to listen to recruiters, volunteering abroad is pretty much the only way to break into international development. Ironically, it is also one of the more contested programs out there and while employers obviously want the skills and experience young people gain abroad, they also know that sending volunteers abroad perpetuates the very things that are critized about the aid industry. Throughout the blogosphere, the debate about the pros and cons of the different types of volunteer-programs in developing countries keeps flaring up. Being a weltwärts-volunteer myself, I figuered it’s time I put my two cents in as well. Continue reading

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Thoughts on Voluntary Work

The universe of voluntary work is a funny animal. It can be the most rewarding place, but it also creates pressures unknown to those in professional work. 

volunteers at the Youth Future Conference

Most volunteers are intrinsically motivated. They work for a cause, social, environmental or otherwise, because they believe that the status quo is unacceptable. Oftentimes, these causes are global in reach and universal in their necessity. For example: climate change affects people everywhere and if we don’t mitigate it, our lifestyles will change drastically. With stakes that high, wouldn’t you want the most capable, highly trained people to do the job? Continue reading

Einmal Weltwärts und zurück, bitte!

Nach zwölf Monaten Indien kann ich wohl mit Fug und Recht behaupten, jetzt auch zu denen zu gehören, die „Auslandserfahrung“ haben. Mein Lebenslauf ist aufpoliert, ich bin sozialkompetent und sensibilisiert für kulturelle Unterschiede. Was das Herz jedes Personalchefs höher schlagen lässt, hat für mich kaum noch etwas mit den vergangenen Monaten zu tun. Was Politiker, Arbeitgeber oder auch Eltern für das ultimative Ziel so einer Auszeit im Ausland halten, scheint mir nun eher wie ein Beiprodukt. Sicherlich hat sich auch die eine oder andere „softskill“ eingestellt, während ich versuchte, mir mit Messbecher und Eimer die Haare zu waschen, doch rücken diese Dinge schnell in den Hintergrund, wenn es darum geht, sich in einen fremden Alltag einzufügen. Auf der einen Seite bedeutet das letzte Jahr für mich sehr viel mehr, als es die professionelle Rhetorik der Ausbildungsbetriebe und Universitäten auszudrücken vermag, doch auf der anderen Seite scheinen mir die Begriffe viel zu hochtrabend dafür, dass ich doch eigentlich einfach nur „da“ war.Ich habe mich mit viel Schweiß und so mancher Träne an die indische Kultur angepasst und eine Lebensweise angenommen, die nicht meine war. Ich habe einen Weg gefunden, indisch zu werden und dabei deutsch zu bleiben und zum Schluss habe mich auf der Mount Road in Chennai mit der gleichen Selbstverständlichkeit bewegt, mit der ich hier durch die Breite Straße gehe. Indien ist mir ans Herz gewachsen, ich liebe das Land und ich werde definitiv eines Tages zurückkehren. Jetzt jedoch ist erst einmal Lübeck live angesagt. Deutschland und Indien sind so unterschiedlich, dass ein Vergleich unmöglich ist und so stolpere ich von einem Leben ins andere. Beinahe ist es, als sei ich nie weg gewesen, denn alles ist noch genauso vertraut wie früher. Neunzehn Jahre hinterlassen eben doch ihre Spuren. Natürlich stelle ich mir jetzt auch die Frage „Was hat mein Auslandsaufenthalt eigentlich gebracht?“ Habe ich tatsächlich „Entwicklungshilfe“ geleistet? Habe ich dort etwas verändert? Beides lässt sich ziemlich eindeutig mit „Nein“ beantworten. Das mag im ersten Moment eine schockierende Erkenntnis sein, aber irgendwo ist es auch einleuchtend, dass man bloß mit dem Abitur und einer Portion guten Willen, eben doch nicht die Welt retten kann. War also alles umsonst? Glücklicherweise kann ich das ebenso eindeutig mit „nein“ beantworten. Dieses Mal war ich diejenige, die von diesem Aufenthalt profitiert hat, doch eines Tages werde ich hoffentlich in der Lage sein, einen echten Beitrag zu einer gerechteren Welt zu leisten, der ohne diesen ersten Aufenthalt gar nicht möglich wäre.Jetzt freue ich mich einfach nur, wieder hier zu sein, auch wenn es nicht für lange ist. Das Weltenbummeln scheint sich bei mir zu einer chronischen Krankheit zu entwickeln.

Wer hat an der Zeit gedreht…?

Immer öfter wandern meine Gedanken nach hause. Meine Zeit in Indien neigt sich dem Ende zu und die letzten Tage zerschmelzen wie Eis in der indischen Sonne. Plötzlich stehen all die Sachen an, die ich im letzten Jahr mit den Worten „ach, das mach ich, bevor ich nach hause fahre“ aufgeschoben habe. Natürlich hätte ich früher anfangen können, mit meinen Vorbereitungen, aber warum sollte etwas, was ich seit Jahren an Weihnachten versuche, hier in Indien funktionieren? „Rechtzeitig anfangen“ und „Zeitmanagement“ sind hier wie immer die Zauberworte, aber erstens hatte ich es noch nie so mit der Zauberei, das überlasse ich lieber Harry Potter, und zweitens heißt „rechtzeitig“ doch eigentlich nicht viel mehr, als „zur rechten Zeit“ und sagt nichts darüber aus, dass am Ende nicht doch alles in Hektik ausartet. Und schließlich sind die letzten Tage vor der Abreise doch genau die richtige Zeit dafür, noch schnell Erinnerungsfotos zu schießen, Mitbringsel zu kaufen, die letzten Briefe zu verschicken, etc. Und wenn das bedeutet, dass ich in den nächsten Tagen tausend Dinge gleichzeitig erledigen muss, dann ist das eben so. Wenigstens bleibt mir dann nicht allzu viel Zeit zum Trübsal blasen. Denn auch wenn ich mich wirklich darauf freue, wieder nach Deutschland zurück zu kehren, so fällt es mir doch schwer, Indien zu verlassen. In den vergangenen Monaten habe ich hier ein zu hause gefunden, das mir ans Herz gewachsen ist und das Leben in Lübeck wird eine große Umstellung für mich sein. Keine gelb-schwarzen Rickshaws, keine Kühe auf der Straße, keine 24/7 Beschallung aus den Lautsprechern diverser Tempel, Moscheen und Kirchen, keine Mangos aus dem Garten. Dafür so exotische Dinge wie Erdbeeren mit Sahne, ein geregelter Straßenverkehr und dazu kühle 23 °C. Doch bis es soweit ist, gibt es noch viele Dinge, die ich bald zum letzten Mal tun werde: Mit den Kindern im Kindergarten spielen, mir von den Mädchen unverständliche Tamil-Songs beibringen lassen, mich in meinem Sari verheddern…

Doch die Welt ist groß und es gibt noch viele andere Orte, die es kennen zu lernen gilt. Leider kann ich mich nicht zerteilen, so dass ich in meinem Leben bestimmt noch viele weitere Male Abschied nehmen muss. Und so lange sich Abschiedsschmerz und Vorfreude die Waage halten, will ich mich nicht beschweren. Außerdem wird es eindeutig Zeit, dass ich nach Hause komme, schließlich darf ich als Kind dieser Küste die Travemünder Woche nicht verpassen.

(erschienen in Ultimo Juli 2009)

Parlamentswahlen in Indien

Eigentlich müsste über dem ganzen Land ein dumpfes Rumpeln und Knirschen liegen, denn seit einem Monat hat die größte Demokratie der Welt ihre Wahlmaschinerie in Gang gesetzt. 714 Mio. Inder sind wahlberechtigt, 4,7 Mio. Wahlhelfer und 21 Mio. Sicherheitsleute garantieren einen geregelten Ablauf der Parlamentswahlen. Der ganze Prozess ist in fünf Phasen unterteilt in denen die einezelnen Bundesstaaten gruppenweise wählen. In einigen der weniger entwickelten Staaten ist es zum Teil zu Ausschreitungen gekommen, die zumeist mit der starken Position der Maoisten in diesen Staaten zusammen hingen. Diese linksextremistische Gruppierung, die in Indien auch unter dem Namen „Naxaliten“ bekannt ist, schreckt nicht vor Bombenattentate und anderen Gewaltakten zurück um die Bevölkerung einzuschüchtern.
In Tamil Nadu spielen die Naxaliten kaum eine Rolle und die Wahlen sind vergleichsweise ruhig abgelaufen. Am Wahltag waren die Geschäfte geschlossen und die Straßen waren weitestgehend verlassen. Es war, als hätten die Menschen ihren Alltag für einige Stunden angehalten um ihr Recht als mündiger Bürger auszuüben. Erst abends nahm das geschäftige Treiben auf den Straßen wieder zu.
Viele Inder sind der Meinung, dass dies seit langem die freisten und reibungslosesten Wahlen gewesen sind. Unlautere Methoden wie Geldgeschenke oder Einschüchterung sind nämlich leider keine Seltenheit, aber fast 25 Mio. Wahlpersonal haben offensichtlich Wirkung gezeigt.
Was mich immer wieder erstaunt, ist die wohl unbewusste, aber deutliche Trennlinie, die zwischen dem politischen System „Demokratie“, also der Gleichberechtigung aller Menschen, und der extrem hierarchischen Gesellschaft in Indien verläuft. Was auf uns wie ein Widerspruch wirkt, funktioniert für die Inder ganz wunderbar. Jeder hat das Recht seinen Wahlzettel in die Urne zu werfen und so an der Bildung der Lok Shaba, des indischen Parlamentes mitzuwirken. Im Umgang miteinander jedoch wird genau ermittelt, wer wo auf der gesellschaftlichen Leiter steht und damit auch, wer was darf bzw. nicht darf. Ein Lehrer darf sich über seine Schüler lustig machen, eine Mutter mit Söhnen darf stolzer auf ihre Kinder sein, als eine mit Töchtern und ein Regierungsangestellter kommt einem Halbgott gleich. Natürlich bezieht sich das nicht auf alle Lehrer/Mütter/Beamten, dennoch ist diese Verallgemeinerung in meinen Augen gerechtfertigt, denn solche Situationen gehören zur Tagesordnung. Zum Glück fallen mir dererlei Ungleichheiten noch auf, doch meistens bin ich die einzige, die sich darüber wundert. Doch so fremd und unangenehm mir das auch vorkommt, ich kann mittlerweile verstehen, dass in einer Gesellschaft, in der 80% der Menschen unterhalb der Armutsgrenze leben, jeder, der es „geschafft“ hat, dies auch zeigen möchte. Und das tut man eben durch die Zahl seiner Untergebenen.
Wahlversprechen gab es viele, was davon später in die Realität umgesetzt wird, ist ungewiss. Darin zumindest gleichen sich Deutschland und Indien.

(erschienen in Ultimo Juni 2009)

Von Ziegenköpfen und anderen Unanehmlichkeiten

Bilanzieren, reflektieren, evaluiren…. nein, es handelt sich hierbei nicht um eine Hitliste intelligent klingender Fachbegriffe, sondern um die Inhalte meines Zwischenseminars. Alle weltwärts-Freiwilligen haben auf der Hälfte ihres Aufenthaltes ein ca. 5-tägiges Seminar währenddessen sie sich mit anderen Freiwilligen austauschen können, Anregungen für den weiteren Aufenthalt finden oder Probleme besprechen können.

Für meine Mitfreiwillige und mich bedeutete das eine Reise nach Neu Delhi und so machten wir es uns am 26.01.09 im Expresszug gemütlich, der für die nächsten zwei Nächte unser Zuhause sein sollte. So lange dauert es nämlich, wenn man auf den Schienen von Visakhapatnam nach Delhi gelangen will.

Es ist schon ertaunlich, über was man sich alles freuen kann. „Wow, Strom!” oder „Krass, heißes Wasser” waren nur eineige der Ausrufe, die man von den Seminarteilnehmern hören konnte.

Delhi lässt sich grob in Alt Delhi und Neu Delhi einteilen. Alt Delhi, das bedeutet, Rotes Fort, enge Gassen, Basare…kurz, das traditionelle indische Chaos, das für uns Europäer so nervenaufreibend ist. In Alt Delhi haben wir auch die Nama Masjid, die größte Moschee Indiens besucht. Ein wirklich beeindruckendes Gebäude aus rotem Sandstein inmitten eines Labyrinths kleiner überfüllter Straßen. Die Rufe der Händler vermischen sich mit den Klingeln der Fahrradrickshaws und erschrecktem Hühnergegacker zu einem unentwirrbaren Klangteppich, der wesentlich zum Flair dieses Viertels beiträgt.

Urgh! Ziegenköpfe auf 11:00 Uhr. Wer isst denn sowas? Bevor wir dem Fleischmarkt noch näher kommen, steigen wir lieber schnell in eine Autorickshaw. Das ist ein Indien, in dem auch ich mich nicht sehr gut auskenne. „Mein” Indien ist das von Buchsbaumhecken umsäumte Organisationgelände mit dem großen Eisentor vor der Einfahrt.

Während die anderen Freiwilligen mit leuchtenden Augen von ihren Projekten schwärmen, werfen meine Leidensgenossin und ich uns bekümmerte Blicke zu. Bis jetzt hatten wir uns erfolgreich eingeredet, es sei durchaus normal, dass man in einem Entwicklungsland nicht hinaus darf oder bei seinem Freiwilligendienst kaum Aufgaben hat, doch nun müssen wir erschreckt feststellen, dass das ganz und gar nicht der Fall ist. Mir wird klar, dass es falsch ist, meinen Freiwilligendienst als einjährige Durchhalteprobe zu betrachten und ich entschließe mich, mein Projekt zu verlassen.

Jetzt geht es mir besser. Ich hbae nicht die geringste Ahnung, wo ich ab der nächsten Woche sein werde, ja, ich weiß nicht einmal, auf welchem Kontinent ich dann bin. Finde ich ein neues Projekt in Indien? Oder kommen ich vorzeitig ins nass-kalte Deutschland zurück?

Was auch immer die Zukunft bringen wird, die lange Reise nach Delhi hat sich in vielerlei Hinsicht gelohnt.

(erschienen in Ultimo März 2009)

Halbzeit

Februar. Halbzeit. Bergfest.
Zeit für einen Rückblick und eine kurze Zwischenbilanz. Um die vergangenen Monate einmal Revue passieren zu lassen, habe ich in meinen Tagebüchern geblättert und einige kennzeichnende Sätze herausgesucht.

18.08.08: Ankunftsschock überwunden. Alles ist spannend und aufregend.
24.08.08: Gestern wurde der Führer des Welt-Hindu-Rates ermordet. Wir dürfen den Campus nicht verlassen.
07.09.08: Komme mir nutzlos vor. Will endlich eine Aufgabe haben.
02.10.08: Unterwegs nach Visakhapatnam, der Verkehr ist mörderisch.
25.10.08: War ein Jahr schon immer so lang, oder kommt mir das nur so vor?
01.11.08: Ich hasse Ameisen! Vor allem, wenn sie in meinem Tee. Schwimmen.
26.11.08: Bangalore: Die erste Pizza nach vier Monaten, ein Traum.
13.12.08: Warum klauen die Postbeamten eigentlich immer die Schokolade aus meinen Päckchen? Das ist doch nicht fair!
01.01.09: Komisch. Mit den Feiertagen im Rücken fühlt sich mein Aufenthalt irgendwie anders an.
10.01.09: Seminar zu „Frieden und Entwicklung“ in Bhubaneswar, der Hauptstadt von Orissa. Wow, und ich bin dabei!
28.01.09: „Heute hier, morgen dort“ Es geht nach Delhi zum Zwischenseminar für Freiwillige

Bei dem Versuch, eine Bilanz zu ziehen, stoße ich immer wieder auf ein und die selbe Frage: Wie lässt sich sich so ein Aufenthalt messen? Die Unterteilung in Monate oder Wochen ist nicht sehr aussagekräftig, denn noch nie ist mir Zeit so subjektiv vorgekommen. Ein Tag fühlt sich an wie eine halbe Ewigkeit, Wochen schrumpfen manchmal zu Stunden. Ich muss also andere Maßstäbe finden. Vielleicht geben folgende Zahlen ein wenig mehr Aufschluss ueber die Dimensionen, die ein halbes Jahr annehmen kann. Ich habe
Ø durchschnittlich 25 Std. in der Woche gearbeitet
Ø 370 Seiten Tagebuch geschrieben
Ø 23 Bücher gelesen
Ø rund 90 Kg Reis gegessen
Ø 118 Stunden im Zug verbracht und dadurch
Ø 4 Großstädte kennengelernt (Visakhapatnam, Bangalore, Bhubaneswar, Neu Delhi)
Ø 16 Dörfer besucht
Ø ca. 175x über die Landschaft gestaunt
Ø ca. 11x ausversehen auf Chili gebissen
Ø und unendlich oft an Zuhause gedacht.

Ich muss damit leben, nicht alleine hinaus zu dürfen und höchstens einmal die Woche einkaufen zu können, in Begleitung, versteht sich, habe Arbeit erfunden, wo keine war, (Z.B. bringen wir jetzt monatlich einen Newsletter heraus, in dem wir über unsere Organisation und ihre Projekte berichten.) esse mit den Fingern und habe gelernt, wie man einen Sari wickelt. Indien hat mir meinen Aufenthalt bis jetzt nicht immer einfach gemacht, doch auch das ist eine gute Erfahrung.
„Seltsamer und seltsamer“ sprach Alice, als sie ins Wunderland kam. „Seltsamer und seltsamer“ denke auch ich mir so manches mal, seit ich in Indien bin.

(erschienen in Ultimo Februar 2009)